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Corinna Petra Friedrich Fläche zu Form

In der seriellen Ansammlung gemusterter Becher, ovaler Platten, raumgreifender Töpfe oder kleiner, nützlicher Gefäße wecken diese Keramiken kreative Sammellust auf's Kombinieren, Komponieren und Zusammenstellen und reichen gleichzeitig etwas von der Begeisterung weiter, der die Künstlerin Corinna Petra Friedrich folgt, wenn sie gemusterte und farbige Flächen intuitiv zerschneidet und zu individuellen Gefäß-Unikaten aufbaut.
Portrait_corinna_petra_friedrich
Eismeerfarben – skandinavisches Blau – ein müdes Papierweiß – Erdbeersahnerosa – Ocker-Dotter-Gelb und Badezimmergrün. Ein wenig zittrig kariert, wackelig liniert, getupft, gepunktet, gesprenkelt, gestipst handzeichnerisch lebendige Flächen. Punkt und Linie sind der inspirierende Anfang eines ganzen Universums vibrierender Oberflächen, kleinster Strukturen, graphischer Muster ineinander verwandten und komplementären Farben. Die Erinnerung an Oma und Opas Küchengardinen, einen Rock, eine Schürze, die Teppichkante und das Stuhlkissen aus der Kinderperspektive. Tagtäglich beiläufig und nun, Jahrzehnte später, neu belebt auf den Oberflächen dieser Keramikgefäße.

Corinna Petra Friedrich's Umgang mit Ton hat auch eine ganz sinnliche Komponente. Sie braucht das haptische Erleben, den substantiellen Umgang mit ihrem Material. Drehen und bauen, den Ton zwischen den Fingern spüren und formen, zu einem Gefäß das sich aus ihrer Gestaltungskraft, der Geschicklichkeit und Virtuosität ihrer Hände, bildet. Ihr Handwerk „von der Pike auf“ gelernt zu haben erkennt sie dabei als großen Vorteil.

Indem sie quasi umgekehrt vorgeht, erst die Dekore und dann die Form gestaltet, erreicht sie ihr Ziel. Aus vorbereiteten Tonplatten schneidet sie die Stücke wie die Teile eines Patchworks und setzt sie neu zusammen. Durch das Zusammentreffen der Muster und Farben lässt sie sich inspirieren. Selbst kleine Gebrauchsgefäße, Dosen, Becher und Schalen sind aus Platten zusammengesetzt und vermitteln damit diesen leichten Hauch von Unvollkommenheit, der Handgemachtes so liebenswert macht. Aber nur in Nuancen, mehr lässt die Künstlerin nicht zu. Ihre akribische Perfektion verblüfft ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Der bleibt für die spielerisch anmutende Inszenierung der Dekore und Farben.

Corinna Petra Friedrich ist gebürtige Leipzigerin. Sie studierte dort Malerei bei Prof. Sighard Gille an der Hochschule für Grafik und Buchkunst und machte 2007 ihr Diplom. Nach einem Jahr als freischaffende Künstlerin entschied sie sich für eine Keramikausbildung durch verschiedene Praktika und eine Lehrzeit von 2008 bis 2011 bei Birke Kästner in Dalberg. Von 2012 bis 2014 studierte sie in der Keramikklasse von Prof. Martin Neubert an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Als Stipendiatin der Archie Bray Foundation verbachte sie eine Residency in den USA und profilierte sich als Teilnehmerin der TALENTE zur IHM 2016 sowie als Finalistin im internationalen Wettbewerb zum 59.Faenza Preis. Corinna Petra Friedrich stellt ihre Arbeiten in vielen Ausstellungen aus. Sie hat ihr Atelier in Leipzig.